Rütihof – Joachim Schwalbe ist ein Allrounder und mit 74 Jahren nach wie vor voller Energie. Der Bildhauermeister und Denkmalpfleger aus Deutschland kam vor vielen Jahren der Liebe wegen in die Schweiz. Fast genauso lang lebt er mit seiner Frau Isabel – die beiden erwachsenen Söhne sind ausgezogen – in Rütihof.
Sein beruflicher Werdegang ist geprägt von Umwälzungen und Erweiterungen. Der Handwerksmeister hatte schon zu Beginn seiner Berufslaufbahn seine künstlerischen Fähigkeiten geschult. Gleich nach der Meisterschule absolvierte er einen Lehrgang der Kunstschulen in Strassburg und Nürnberg, wo er Intensivkurse in Gestaltung, Modellieren, freiem Design und Zeichnen belegte. Mit den Jahren bildete er sich laufend weiter und eignete sich mitunter Kenntnisse in der kosmetischen Betonsanierung, im Arbeiten mit Synthetikgestein sowie in unterschiedlichen Maltechniken an. Nachdem ihn sein Weg über verschiedene Stationen in Deutschland, Frankreich und den USA in die Schweiz geführt hatte, stürzte er sich Anfang des Jahrtausends in ein neues berufliches Abenteuer.
Vom Praktiker zum Pädagogen
Weil in der Region damals dringend zusätzliche Lehrkräfte gesucht wurden und weil ihm die Förderung junger Menschen seit seiner Jugend am Herzen lag, bewarb sich Joachim Schwalbe aufs Geratewohl als Mittelstufenlehrer. Prompt wurde er eingestellt. «Ich stellte mich an einem Freitag persönlich beim damaligen Schulleiter vor, erhielt die Zusage, liess mich freistellen und trat am Montag meine neue Stelle an», erinnert er sich. Berufsbegleitend holte er die notwendige Ausbildung nach und betätigte sich bis zu seiner Pensionierung als Fachlehrer für Werken und Gestalten.
Auch neben seiner beruflichen Tätigkeit pflegt Joachim Schwalbe vielfältige Interessen. In seiner Freizeit unternimmt er Reisen in ferne Länder und Motorradtouren, betreibt Kampfsport – wobei er sich vor allem im Bereich der praktischen Gewaltprävention engagiert, geht wandern und widmet sich der Malerei sowie der Musik.
Nach seiner Pensionierung als Lehrer verabschiedete sich der heute 74-Jährige noch nicht aus dem Berufsleben. Vielmehr gründete er ein handwerkliches Allroundunternehmen und legt überall dort Hand an, wo er benötigt wird.
Schliesslich betätigt sich Joachim Schwalbe in der Jugendarbeit. Dieses Engagement zieht sich von frühen Jahren bis in die Gegenwart. Angefangen bei christlichen Jugendorganisationen, wo er als Leiter tätig war, über Kampfsportkurse für Kinder bis zu Kreativwochen für die Rütihofer Jugend setzt sich Joachim Schwalbe für die Förderung junger Menschen ein.
Keine kreativen Leitplanken
Ein zentraler Bestandteil seines Engagements ist die Organisation Freizeit 7, die seit 2015 besteht und unabhängig von religiösen und politischen Strukturen arbeitet. Im Rahmen dieser Initiative organisiert Joachim Schwalbe gemeinsam mit seinem Team vielfältige Aktivitäten für Kinder und Jugendliche, die kreative, sportliche und erlebnisorientierte Inhalte verbinden. Unterstützt wird er dabei von freiwilligen Helfenden, oft älteren Jugendlichen. Zu den jüngsten Angeboten zählen Kreativtage im April mit Schwerpunkten wie Aquarellzeichnen, Ölmalerei sowie dem Gestalten von Skulpturen aus Materialien wie Ytong, Beton, Styropor und Schaumstoff. Im Jugendraum in Rütihof durften die Kinder und Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf lassen. «Ich gebe Hilfestellung, wenn ich danach gefragt werde. Aber ich mache den Kindern keine Vorgaben, was sie machen sollen. Das ist mir sehr wichtig», betont Joachim Schwalbe. Auch wolle er mit seinem Verein kein Geld verdienen: «Die Eltern decken lediglich die Kosten, die anfallen, sonst nichts.»
Das Konzept erfreut sich in Rütihof – und inzwischen darüber hinaus – seit über zehn Jahren anhaltender Beliebtheit. In den vergangenen Jahren hat der Verein für die Kinder zahlreiche thematische Projektwochen geplant und durchgeführt. Dazu gehören neben den Kreativwochen verschiedene Schatzsuchen, Detektivwochen, herbstliche Wandertage oder vorweihnachtliche Fackelläufe. Sogar zu einer Wildwestwoche sowie zu einer Hexen- und Zauberwoche haben Joachim Schwalbe und sein Team schon eingeladen.
Ursprünglich hatte sich der unermüdliche Handwerker, Kampfsportler und Pädagoge einmal vorgenommen, ab seinem 75. Geburtstag endgültig kürzerzutreten. «Das ist nun dieses Jahr der Fall», konstatiert er, «deshalb dachte ich mir, dass ich noch zwei oder drei Jahre weitermache, solange die Kinder noch gern zu mir kommen.»