Sammlung wurde zu modernem Museum

Vergangenen Samstag fand die festliche Einweihung des renovierten Museums mit Vertretern aus Politik, Gewerbe und Feuerwehr statt.
Das Handwerksmuseum ist ein Teil der Erfahrung. (Bild: bkr)

Endingen – Sammler sind es, welche die Grundsteine für Museen legen. Das gilt auch für das Museum im Endinger Schöntal, das sich mit Feuerwehr, Handwerk und Landwirtschaft befasst. Ins Leben gerufen wurde es von Walter Huber (1921–2013), im Surbtal bekannt als langjähriger Patron der Firma Huber Silobau in Lengnau. Um seine Sammlungen unterbringen zu können, erwarb er 1982 die alte Schuhfabrik im Schöntal. Nach dem Tod von Walter Huber bestand grosse Ungewissheit über die Zukunft des Museums – bis mit Unternehmer ­Samuel Wehrli aus Suhr ein Käufer gefunden wurde. Von diesem wiederum übernahm 2022 die Lengnauer Familie Franziska und Kurt Schmid Gebäude und Sammlungen, die weiterhin vom inzwischen 27 Jahre alten Verein Museum für Feuerwehr, Handwerk und Landwirtschaft mit betreut werden, wie dessen Präsident René Ammann nicht ohne Stolz sagte.

Schwachpunkte erkannt
Kurt Schmid ist Unternehmer und ehemaliger Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands, war Gemeindeammann sowie Grossrat und setzt sich seit seiner Jugend mit Leidenschaft für den Erhalt regionaler Traditionen und deren Geschichte ein. Rasch nach der Übernahme der Gebäude und Sammlungen wurden ihm drei Schwachpunkte des erworbenen Museums klar. Die Gebäude waren sanierungsbedürftig, die Präsentation der Sammlungen war nicht mehr zeitgemäss und die Kommunikation dürftig. «Wir haben es hier mit dem grössten Feuerwehrmuseum der Schweiz zu tun und stellen im Handwerks­museum rund 100 verschiedene Berufe und deren Werkzeuge vor», stellte Kurt Schmid an der Eröffnung des renovierten Museums fest.
Ehrengast und Ständerätin Marianne Binder zeigte sich sowohl vom Museum als auch vom Engagement von Kurt Schmid begeistert. «Als ich die Sammlungen das erste Mal sah, war ich beeindruckt und überwältigt», sagte sie. «Was hier geboten wird, sind einmalige Zeitreisen.» Als Beispiel stach ihr der Laden eines historischen Coiffeurs in die Augen: «‹Backenzahn ziehen 30 Rappen› steht auf einem Preisschild.»

Ständerätin Marianne Binder gratuliert Kurt Schmid zum gelungenen Werk. (Bild: bkr)

Das Surbtal als Museumstal
Zum Stichwort Kommunikation konnte Kurt Schmid mitteilen, dass das Museum seine nationale Einzigartigkeit nun im Namen trage: Schweizer Feuerwehr- und Berufsmuseum sowie Landwirtschaftsmuseum. Er ­erinnerte zudem daran, dass sein Museum nicht das einzige im Surbtal sei. So gibt es in Schneisingen und Lengnau Dorfmuseen – in Lengnau schon bald das Zentrum Doppeltür, welches das jüdische Kulturerbe präsentieren wird. Daneben finden sich in Niederwenigen ein Mammutmuseum und in Tegerfelden das Aargauer Weinbaumuseum. So waren beim Eröffnungsanlass in Endingen nicht nur Vertreterinnen und Vertreter der Feuerwehren anwesend, sondern ebenso der politischen Gemeinden. Die Grussadresse kam von Ralph Werder, Gemeindeammann des Museumsstandorts Endingen. Er gratulierte der Familie Schmid zu ihrem Mut und fand die Kombination aus Feuerwehr und Handwerk spannend und logisch: «In jedem Feuerwehrmann steckt ein ­Berufsmann.»

Klosettsitze aus Endingen
Ein wichtiges Stück Gewerbe- und ­Industriegeschichte sind auch die ­Museumsgebäude. 1911 gründeten hier Franz Xaver und Josef Keller eine Schreinerei. Unter anderem produzierte die Firma im grossen Stil Klosettsitze aus Holz. Ab den 1930er-Jahren wurden diese aus Bakelit hergestellt. Die dafür benötigte Presse lieferte Bucher-Guyer in Niederweningen. 1948 übernahm die Schuhfa­brik Odermatt & Co. AG aus Zurzach die Gebäude. Diese Firma ging 1973 in Konkurs.