Zunehmend verhärtete Fronten

Die zuständige grossrätliche Kommission will den Hitachi-Campus in Wettingen, Würenlos bereitet sich auf rechtliche Schritte vor.
Die Zukunft dieser Anbaufläche beim Tägi in Wettingen spaltet die Gemüter. (Bild: sim)

Wettingen – Die Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV) befürwortet die Richtplananpassung Gebiet Tägerhardächer, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt. Mit der Richtplananpassung sollen die planerischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine Ansiedlung von Hitachi Energy in einem zentralen Campus mit mittelfristig 3000 Arbeitsplätzen möglich wäre. Für den Fall, dass der Standortentscheid von Hitachi nicht auf Wettingen fällt, würde der entsprechende Richtplanbeschluss hinfällig.

Vorteile überwiegen
Innerhalb der Kommission UBV sei es weitgehend unbestritten gewesen, dass das Vorhaben für die Region von grosser Bedeutung sei und einen grossen wirtschaftlichen Nutzen habe, insbesondere in Bezug auf die Sicherung bestehender und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Verschiedene Kommissionsmitglieder hätten jedoch Bedenken hinsichtlich der räumlichen, verkehrlichen und umweltmässigen Auswirkungen eines neuen zentralen Campus im Gebiet Tägerhard­ächer geäussert. Vor allem der grosse Zeitdruck und das hohe Tempo bei der Erarbeitung des Geschäfts, die Entwicklung des Verkehrs und der Pendlerströme sowie der Verbrauch von Fruchtfolgeflächen hätten Fragen aufgeworfen.
Eine Minderheit der Kommission beantragte, die Reduktion des Siedlungstrenngürtels auf jene Parzellen zu beschränken, die vom Bau des Campus betroffen wären. Regierungsrat und Verwaltung hätten die Bedenken aufgrund vorliegender Abklärungen mehrheitlich ausräumen können. Nach intensiver Diskussion fiel die Interessenabwägung schliesslich deutlich mit 13 zu 1 Stimme zugunsten des Vorhabens aus, das nun voraussichtlich am 30. Juni im Grossen Rat behandelt wird.

Würenlos bereitet juristische Schritte vor
Doch das Ansinnen ist weiterhin umstritten. Während die Gemeinde Wettingen den Entscheid mit Freude zur Kenntnis nimmt, wie sie in einer Mitteilung schreibt, stösst er andernorts auf wenig Gegenliebe. In umliegenden Gemeinden – allen voran in Würenlos – werden mehr Verkehr und steigende Immobilienpreise befürchtet, während die zusätzlichen Steuereinnahmen in Wettingen anfallen. Die Angaben zum zusätzlichen Verkehrsaufkommen im Erläuterungsbericht der Gemeinde Wettingen erachtet der ­Würenloser Gemeinderat als «grob unvollständig und somit ungenügend», wie er in einer neuerlichen Mitteilung schreibt.
Die Gemeinde stellt sich entschieden gegen das Aushebeln wichtiger raumplanerischer Grundsätze, wie es weiter heisst. Die Abklärungen für die nötigenfalls anstehenden juristischen Anfechtungen gegen die Richtplan­änderung beziehungsweise gegen ein mögliches Bauprojekt von Hitachi Energy im Tägerhardächer seien eingeleitet worden.
Ins gleiche Horn stösst die SVP Würenlos. Angesichts des erst kürzlich ergangenen Entscheids des Aargauer Obergerichs, das unmissverständlich gegen die in Wettingen geplante Spezialzone Berg urteilte, warnt die Partei vor einem neuerlichen Planungsdebakel in der Nachbargemeinde. Unter dem Hinweis auf den nach wie vor gültigen und behördenverbindlichen Sachplan Sulperg-Rüsler, der die vorgesehene Nutzung untersagt, fordern Würenlos und die SVP-Ortspartei, dass von dem Vor­haben abgesehen wird. Die SVP Würenlos geht noch einen Schritt weiter und fordert in einer Mitteilung personelle Konsequenzen für die Verantwortlichen in der Wettinger Politik.