Würenlingen – Lediglich 81 Stimmberechtigte und einige Gäste konnte Gemeindeammann Patrick Zimmermann am vergangenen Donnerstag, 10. Juni, in der grossen Mehrzweckhalle Weissenstein begrüssen. Er wünschte sich künftig eine grössere Bürgerbeteiligung und rief mit einem «Mache Si mit!» dazu auf, am Dorfleben aktiv teilzuhaben. Damit begannen die Geschäfte, das Protokoll der Einwohnerversammlung vom 13. November 2025 wurde einstimmig genehmigt.
Rechnung: Erfreulich, aber …
Traktandum 2, die Rechnung 2025, verlangte nach mehr Erklärungen. Patrick Zimmermann zeigte sich erfreut, dass der Steuerertrag der Gemeinde seit Jahren kontinuierlich zunehme (plus 1 Million Franken gegenüber 2024), genauso wie die Einwohnerzahl, ohne dass vonseiten der Gemeinde je ein Schwerpunkt Wohnen gesetzt worden sei. Der Aufwandüberschuss liege deutlich unter dem budgetierten Wert. Die Bilanz zeige, dass die Gemeinde über beträchtliche Rücklagen verfüge. Ein Spardruck bleibe jedoch bestehen, denn die Kosten im Sozial- und Gesundheitsbereich seien erneut gestiegen, was sich leider kaum beeinflussen liesse. Ausgaben würden nach wie vor «sehr, sehr massvoll vorgenommen». Barbara Di Santis von der Protokollprüfungskommission stellte den Antrag, den Rechenschaftsbericht zu genehmigen, dem die Versammlung dann auch stattgab.
AG statt gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft
Frau Vizeammann Lea Meier Roth informierte über die Anfänge der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Würenlingen (GWW). Diese wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, in Würenlingen eine Liegenschaft mit günstigem Wohnraum zu erstellen. Die Gemeinde sei mittlerweile mit 14 anderen Parteien an der GWW beteiligt. Die Umwandlung in die Wohnbaugesellschaft Würenlingen AG habe bereits stattgefunden. Auch in den neuen Statuten blieben Sinn und Zweck der Liegenschaft erhalten.
Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zeitige vor allem in der Bewirtschaftung des investierten Kapitals Vorteile. Deshalb beantrage der Gemeinderat erstens, dieser Umwandlung, und zweitens, einer Erhöhung der finanziellen Beteiligung der Gemeinde von bisher 20 000 Franken in Anteilscheinen auf neu 22 050 Franken in Aktien zuzustimmen. So könne die Gemeinde weiterhin an der Gesellschaft teilhaben. Die Versammlung stimmte beiden Anträgen ohne Diskussion mit grossem Mehr zu.
Rückweisungsantrag für die Teiländerung Kulturlandplan
Gemeinderätin Melanie Gasser erklärte, dass die Aarvia Bau AG seit Mitte der 1960er-Jahre im Unterfeld eine Materialabbaustelle betreibe. Die dortigen Abbaureserven reichen noch bis etwa 2028. Im kantonalen Richtplan sei direkt angrenzend das Gebiet Unterfeld Süd eingetragen, das den Rohstoffbedarf für weitere etwa neun Jahre sichern würde. Mit der vorliegenden Teiländerung Kulturplan würde die Voraussetzung für ein Baubewilligungsverfahren geschaffen. Die Gemeindeversammlung wolle diese Teiländerung Kulturlandplan deshalb beschliessen. Wurde das Wort vom Volk bis dahin noch nicht ergriffen, gab es bei diesem Traktandum einen Rückweisungsantrag wegen der Umweltbelastung durch den Kiesabbau auf mehreren Ebenen, zum Beispiel was die Feinstaubbelastung, das Verkehrsaufkommen, den Lärm und den Grundwasserschutz betrifft. Das Geschäft solle mit aktuellsten Erkenntnissen nochmal genau überprüft und dann der Gemeinde wieder vorgelegt werden, war die Forderung. Der Rückweisungsantrag wurde vonseiten der Versammlung mit 55 Nein-Stimmen schliesslich abgelehnt, der Antrag auf Erweiterung mit grossem Mehr angenommen.
Dem Traktandum 5 für einen Ersatz der in die Jahre gekommenen Trafostation 190 Althau mit einem Verpflichtungskredit in Höhe von 276 000 Franken, von Gemeinderat Roland Meier vorgestellt, wurde ohne Diskussionen einstimmig stattgegeben. So konnte nach einigen Terminankündigungen von Patrick Zimmermann die speditiv durchgeführte Versammlung gegen 20 Uhr geschlossen und nahtlos zum Vortrag bezüglich Stand im Sachplanverfahren «Geologisches Tiefenlager» des Bundesamts für Energie (BFE) übergegangen werden.
Andreas Besmer vom BFE stellte in seinem halbstündigen Vortrag alle beteiligten Akteure, das Verfahren und den Zeitplan für die Standortevaluation der unterirdischen Lagerung von schwach und hoch radioaktiven Abfällen vor. Damit einhergehend das Projekt einer Brennelement-Verpackungsanlage (Beva), die, Stand heute, dereinst beim Paul-Scherrer-Institut Würenlingen gebaut werden soll.
Der Zeitplan zeigte eine Konkretisierung der Beva sowie den Baubeginn des Tiefenlagers im Gebiet Nördlich Lägern im Jahr 2045 auf. Das Würenlinger Volk habe dabei, so Stefan Jordi, die Möglichkeit, während der öffentlichen Auflage 2028 allfällige Einwände gegen das Projekt vorzubringen. Aus der Versammlung kam die Frage nach einer finanziellen Abgeltung auf. Die Antwort von Stefan Jordi: Der Bundesrat sei der Meinung, dass Abgeltungen auch in Zukunft möglich sein sollten. Es gebe aber keine Rechtsgrundlage dafür. Das sei Verhandlungssache. Verhandlungen, die gemäss Ammann Patrick Zimmermann in Kürze aufgenommen werden sollen. Dafür kann man den Würenlingerinnen und Würenlingern viel Verhandlungsgeschick wünschen.