Alle Bemühungen für die Katz

Das Ansinnen, Hitachi Energy den Weg für die Ansiedlung in Wettingen zu ebnen, ist gescheitert. Der Konzern baut seinen Hauptsitz in Otelfingen.
Diverse Standorte von Hitachi Energy im Aargau, darunter jener in Baden, sollen am künftigen Hauptsitz in Otelfingen zusammengezogen werden. (Bild: sim)

Wettingen – Der international tätige Technologiekonzern Hitachi Energy hat letzte ­Woche den mit Spannung erwarteten Standortentscheid für den neuen Schweizer Hauptsitz bekannt gegeben. Im Wettstreit der Gemeinde ­Wettingen mit der Zürcher Nachbargemeinde Ofelfingen hat sich Hitachi Energy nun für Ofelfingen entschieden. Dort soll in den kommenden Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Jelmoli-Verteilzentrums sowie auf angrenzenden Arealen, insgesamt 11 Hektaren, der neue Schweizer Hauptsitz mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen realisiert werden.
Während die Gemeinde Wettingen und der Kanton Aargau den Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis genommen haben, freut sich der Gemeinderat Ofelfingen darüber – und mit ihm die Gegnerschaft des Projekts in Wettingen.

Bestehende Infrastruktur
Die Gemeinde Wettingen und der Kanton Aargau haben sich in den vergangenen Monaten intensiv darum bemüht, im Tägerhardächer die notwendigen Standortvoraussetzungen zu schaffen, um Hitachi Energy zur Ansiedlung zu bewegen. Trotzdem hat sich Hitachi letzte Woche für Otelfingen entschieden. Nach Angaben des Unternehmens waren vor allem betriebsinterne Kriterien ausschlaggebend. Zu den entscheidenden Vorteilen des Zürcher Standorts hätten die bereits vorhandene S-Bahn-Haltestelle, die günstigere Umsetzung der geplanten Bauetappen sowie eine Risikoabwägung gehört, die zugunsten eines Umbaus bestehender Infrastruktur gegenüber einem vollständigen Neubau ausgefallen sei. Zudem befindet sich das Areal in Otelfingen in einer Industriezone, was eine schnellere und besser planbare Realisierung ermöglicht. Das Vorhaben, das betroffene Areal in Wettingen entsprechend umzuzonen, war bis zuletzt hoch umstritten.
Mit dem Entscheid werden die bisherigen Planungen für einen Hitachi-Campus in Wettingen nun eingestellt, wie der Wettinger Gemeinderat mitteilt. Sämtliche Arbeiten zur Richt- und Nutzungsplanung standen von Beginn an unter dem Vorbehalt eines positiven Standortentscheids und werden nicht weiterverfolgt. Der bestehende Hitachi-Standort in Wet­tingen bleibt jedoch erhalten. Von der geplanten Konzentration der ­Ak­tivitäten betroffen sind dagegen die Standorte Baden, Dättwil, Seon und Turgi, die künftig am neuen Standort in Otelfingen zusammengeführt werden sollen. In der Region Baden sind davon rund 800 Arbeitsplätze betroffen.

Fingerzeigen nach Scheitern
Nach Bekanntgabe des Entscheids wurde dieser von den Wettinger Parteien kontrovers kommentiert. Einige Ortsparteien machen den Widerstand der Nachbargemeinden Würenlos und Neuenhof mitverantwortlich für das Scheitern der Ansiedlung im Tägerhardächer. Verschiedene bürgerliche Parteien kritisierten, dass es den regionalen Gemeinden nicht gelungen sei, sich geschlossen hinter das Projekt zu stellen. Zu den Gegnern des Vorhabens zählte und zählt insbesondere der Würenloser Gemeindeammann Anton Möckel, der sich schon früh deutlich gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Er kritisierte die wirtschaftlichen Erwartungen Wettingens sowie eine mangelhafte Verkehrsplanung im Zusammenhang mit dem Vorhaben. Sein Hauptanliegen war der Erhalt des behördenverbindlichen Sachplans Sulperg-Rüsler, der den Grüngürtel im Gebiet Tägerhard­ächer bewahren soll.
Nach der Niederlage wollen sich die Wettinger Parteien sich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde ohne Hitachi Energy widmen.