Wettingen – Bevor Vizeammann und Ressortvorsteher Christian Wassmer vergangene Woche die Gäste aus Politik, Verwaltung, Planung und Schule willkommen hiess, begrüssten eine Schülerin und ein Schüler mit dem berühmten Hit «California Dreamin’» von The Mamas and the Papas das Publikum im Teamraum des neuen Pavillons. «Mit der Einweihung des neuen Pavillons an der Staffelstrasse, unmittelbar neben dem 2001 erstellten Schulgebäude, konnte ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Heilpädagogischen Schule (HPS) aufgeschlagen werden», so Christian Wassmer. Die HPS ist eine regionale Tagesschule.
Die für die Region Baden nicht mehr wegzudenkende Institution wurde 1962 von engagierten Eltern ins Leben gerufen. Bevor damals der Neubau bezogen werden konnte, wurde an drei Standorten unterrichtet. «Die Gemeinde Wettingen ist Trägerschaft der eigenwirtschaftlich geführten, öffentlich-rechtlichen Schule, an der zurzeit 114 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 4 und 18 bis 20 Jahren in 13 Klassen von rund 100 Lehrpersonen und weiteren Mitarbeitenden unterrichtet werden», so Christian Wassmer weiter.
Ein selbstbestimmtes Leben
Das Hauptgebäude der HPS Wettingen wurde ursprünglich für maximal 85 Schülerinnen und Schüler gebaut. In den vergangenen Jahren wurde ersichtlich, dass der Bedarf an Schulplätzen deutlich höher liegt, als in der Leistungsvereinbarung vorgesehen war. Um diesem Anspruch beziehungsweise den Anforderungen in der Leistungsvereinbarung und dem erforderlichen Platzbedarf gerecht zu werden, stellte sich der Neubau des Pavillons auf dem Grundstück der Gemeinde als einzige sinnvolle Variante heraus.
Der Entwurf für den Neubau wurde mit der Schulleitung entwickelt. Bereits 2020 wurde dem Einwohnerrat das Kreditbegehren über 1,675 Millionen Franken unterbreitet. Die Baukosten werden vom Eigenwirtschaftsbetrieb Heilpädagogische Schule und vom Kanton getragen. Deshalb erfolgt keine Beanspruchung von Geld zulasten der Einwohnergemeinde. Sowohl Anita Baumgartner (personelle und organisatorische Leitung) als auch Robert Quarella (pädagogische Leitung) zeigten sich erfreut über den gelungenen Neubau, der es ermöglicht, den in die Jahre gekommenen und zehn Gehminuten vom Hauptgebäude entfernten Pavillon auf dem Parkplatz Rosengarten aufzugeben. Neben dem Teamraum kann in den beiden Schulzimmern den Kindern und Jugendlichen nun viel «Wissen, Können und Wollen» vermittelt und ihre Fähigkeiten geschult werden, damit sie trotz ihren Beeinträchtigungen ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.
Holz und Lehm
Ausführlich erläuterte der Badener Architekt Toni Hürzeler das Bauwerk, dessen Realisierung im Vorfeld durch Einsprachen verzögert wurde, die dazu führten, dass der eingeschossige und in Holzbauweise erstellte Gebäudekörper, der von einem grosszügig ausladenden Vordach überspannt wird, um zehn Meter westwärts verschoben werden musste. Durch die grossflächigen Fenster der nach Süden ausgerichteten beiden Schulräume und des Teamzimmers, dem eine Küche angegliedert ist, wird der Blick auf die Rosenhecke gerichtet. Mit der Kombination der beiden natürlichen Werkstoffe Holz und Lehm wurden bei der Deckenkonstruktion neue Wege beschritten.
Während Holz die tragende Konstruktion bildet, wird durch Lehm der klimatische Ausgleich und eine gute Akustik geschaffen. Nachdem sich Toni Hürzeler bei der Bauleitung sowie den Mitarbeitenden der Abteilung Bau und Planung der Gemeinde und allen involvierten Handwerkern für die konstruktive Zusammenarbeit bedankt hatte, erfolgte nach sechsmonatiger Bauzeit die Schlüsselübergabe durch Gemeinderat Martin Egloff, Ressortvorsteher Hochbau, an Christian Wassmer.