Vom Faden zur Freundschaft

Neuerdings gibt es in ­Birmenstorf den Maschen-Treff. Dort klappern die ­Nadeln, und Geschichten ­werden gesponnen.
Vom ersten Anschlag bis zum fertigen Stück: Anfängerinnen sind beim Birmenstorfer Stricktreff willkommen. (Bild: isp)

Birmenstorf – Wer glaubt, Stricken sei eine stille Angelegenheit, hat den neuen Maschen-Treff in Birmenstorf noch nicht erlebt. Denn hier wird nicht nur Wolle verarbeitet, sondern auch gelacht, diskutiert und gelegentlich ein kleiner ­Knoten im Gespräch ebenso gelöst wie im Garn.
Seit Anfang Juni trifft sich die Runde am ersten Montag des Monats ab 14 Uhr im Mehrzweckraum des Schulhauses Neumatt II. Eingeladen sind alle, ob geübte Strickprofis, kreative Häkelkünstlerinnen oder neugierige Anfänger, die noch nicht wissen, wie man eine Masche anschlägt. «Bei uns darf auch mal etwas schiefgehen», sagt die Initiantin Theres ­Gerber mit einem Augenzwinkern. «Hauptsache, die Stimmung ist gut und wir können beisammen sein.» Der neue Treff soll mehr als ein Zeitvertreib sein. Als Ort der Begegnung sollen hier Geschichten und Generationen zusammenfinden. Eine kurze Pause gehört dazu, dann wird Kaffee getrunken und etwas Süsses gegessen.

Wo Nadeln klappern und ­Gespräche fliessen
«Ich freue mich darauf, unter Leute zu kommen», sagt Vreni Theurillat an diesem Montagnachmittag. «Und wenn am Ende noch ein paar Socken dabei herauskommen, umso besser.» Die Birmenstorferin strickt leidenschaftlich und mit grosser Freude, seit sie Mutter ist. Zwischenzeitlich sind etliche Pullover, Kappen, Handschuhe und Jacken entstanden. Zudem funktioniere das Hobby bestens beim Fernsehschauen, so Vreni Theurillat.
Erst seit Kurzem auf den Geschmack des Strickens gekommen ist Claudia Erni. Sie ist an diesem Montagnachmittag ebenfalls dabei. «Eigentlich liegt mir Häkeln mehr. Aber ich hatte noch Restwolle, und jetzt stricke ich, erstmals mit Rund­nadeln, einen Schal. Sicher 150 Maschen habe ich angeschlagen», erzählt sie begeistert.

Mehr als «nur» Handarbeit
Auf Initiative von Theres Gerber beteiligte sich Anfang des Jahres eine kleine Gruppe von aktiven Birmenstorferinnen an der Benefizaktion von Innocent Smoothies zusammen mit Pro Senectute – mit grossem Erfolg. Zahlreiche kleine Mützchen wurden gestrickt, die später die Flaschen in den Kühlregalen schmückten. Insgesamt waren es am Ende gegen 200 Mützchen. Für jede verkaufte Flasche mit Kopfbedeckung wurde ein Beitrag an soziale Projekte gespendet. Theres Gerbers Idee fand derart Anklang, dass sie kurzerhand beschloss, eine Strickgruppe ins Leben zu rufen. «Wenn möglich, wollen wir mit unserer Stricktätigkeit künftig sinnvolle Projekte oder einen guten Zweck unterstützen. Aber genauso wichtig ist die soziale Komponente bei diesen Treffen», so Theres Gerber.
Gemeinderat Fabian Egger ist begeistert von dieser Idee: «Dass wir mit der Seniorenkommission neben den Velo- und Wandertouren, den Spielnachmittagen, den Kafitreffs und ­Vorträgen nun eine regelmässige Strickrunde anbieten können, ist toll.» Es würde ihn freuen, wenn damit auch Nichtsenioren angesprochen würden und so – neben dem «Fachsimpeln» – ein Austausch über Generationen hinweg stattfinden würde. Im ­Maschen-Treff entsteht Masche für Masche nicht nur etwas Wärmendes für den Kopf, sondern auch etwas für das Herz.
Die erste Ausgabe des Maschen-Treffs hat zeigt, dass gemeinsames Handarbeiten alles andere als altmodisch ist. Es ist vielmehr eine lebendige, verbindende Tradition, die in Birmenstorf nun neu auflebt. Der nächste Treff ist am Montag, 6. Juli. Wer Lust hat, ist willkommen. Wolle, Nadeln und gute Laune inklusive.