Vernetzt wohnen, arbeiten und erholen

Um dem prognostizierten ­Bevölkerungszuwachs in ­Wettingen zu begegnen, wird tüchtig gebaut. Beim Bahnhof entsteht ein neues Quartier.
Die «Gleislaube» soll das Bahnhofquartier modernisieren. (Visualisierung: zVg)

Wettingen – Zurzeit stehen die letzten beiden der ursprünglich zwölf Häuser der Wohnsiedlung Klosterbrühl in Wettingen, die zwischen 1948 und 1955 erbaut wurde und 127 Wohnungen umfasste, vor dem Rückbau. Eine ursprünglich angedachte Sanierung stellte sich als nicht sinnvoll heraus. Mit der Erneuerung der Siedlung setzt die Genossenschaft Lägern Wohnen als grösste Wohnbaugenossenschaft des Kantons ein Zeichen für die künftige Entwicklung der Gemeinde.
Auch in Wettingen besteht Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum. Ersatzneubauten, die familienfreundliche sowie altersgerechte Wohnungen vereinen, sollen hier Abhilfe schaffen. Realisiert wird der 2024 in Angriff genommene Hochbau, der aus sechs Mehrfamilienhäusern und einem Kindergarten besteht, von der Wettinger Hächler AG in zwei Etappen.

Direkt beim Wettinger Bahnhof entsteht mit der «Gleislaube» ein neuer Quartierteil. (Visualisierung: zVg)

Die erste Etappe wurde im Juni abgeschlossen, die Wohnungen sind inzwischen bezogen. Bis voraussichtlich Ende des Jahres 2028 soll hier eine moderne, nachhaltige und vielfältige Siedlung mit insgesamt 222 Wohnungen, einer attraktiven Umgebung und einem Kindergarten entstehen – und damit Wohnraum für zusätzlich 700 Personen bieten.
Derzeit und in naher Zukunft entstehen im Wettinger Bahnhofquartier ­sowie im Klosterbrühl etwa 400 Wohnungen. Die Grundlagen für die Arealentwicklung wurden seit 2010 partnerschaftlich erarbeitet. Ein städtebauliches Konzept bildete die Grundlage für den gemeinsamen ­Gestaltungsplan und den Projektwettbewerb der SBB, aus dem 2022 das Siegerprojekt «Gleislaube» von ­Burkard Meyer Architekten BSA in Baden hervorging. Wo bis vor kurzer Zeit Industrie und Gewerbe das ­Ortsbild im Wettinger Bahnhofquartier prägten, bauen die SBB derzeit 111 Wohnungen und 3000 Quadrat­meter Gewerbefläche.

Historische Substanz erhalten
Bahnhofgebäude, Lockschuppen, Güterschuppen und Drehscheibe stehen unter Denkmalschutz und werden als Zeitzeugen in die laufende nächste Phase der Siedlungsentwicklung ­integriert. Die beiden im Entstehen begriffenen Gebäude der Gleislaube Wettingen sollen künftig in erster ­Linie publikumsorientiert genutzt werden. Neben Gastronomie-, Einzelhandels- und Dienstleistungsangeboten sollen sie den öffentlichen Raum beleben und zur Identität des Quartiers beitragen. Zusätzlich zu 2½-, 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen entstehen drei 200 Quadratmeter grosse Clusterwohnungen für gemeinschaftliches Wohnen.
Der Bezug der Mietwohnungen ist für 2028 angekündigt. Mit Möglichkeiten für den Einkauf von Produkten für den täglichen Bedarf und der Gastronomie soll ein zentraler Treffpunkt für die Bewohnenden der neuen Wohnungen und die Quartierbevölkerung geschaffen werden. Büroflächen für KMU und Start-ups ergänzen das Angebot. Durch die Überbauung wird der Bahnhofplatz klarer gefasst und die Güterstrasse zu einer verkehrs­beruhigten Wohnstrasse mit Baumreihen umgestaltet.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Nachdem einige Gebäude von einst hier angesiedelten Firmen schon im vergangenen Herbst zurückgebaut wurden, realisiert die Avadis-Anlagestiftung auf dem Areal, das an die «Gleislaube» grenzt, das Projekt ­«Dynamo», das von AWW Architekten und Appert Zwahlen Landschaftsarchitekten umgesetzt wird. Die ­Avadis-Anlagestiftung entstand aus den ABB-Vorsorgeeinrichtungen und ist seit 1979 in Wettingen präsent, ­aktuell mit über 200 Wohnungen an 21 Standorten.
Auf dem ehemaligen Industrieareal entstehen sieben fünfgeschossige Wohnblocks. Ab Frühjahr 2028 sollen die 156 Mietwohnungen, eine Mischung aus 2½-, 3½- und 4½- Zimmer-Wohnungen, bezugsbereit sein. Drei Gewerberäume von je 150 bis 250 Quadratmetern sowie ein Kinder­garten komplettieren das Projekt.
Um natürliche Sickerungsbereiche zu erhalten, wird das Untergeschoss auf das Minimum reduziert. Der grosse Anteil unversiegelter und ­sickerungsfähiger Belagsflächen soll einen nachhaltigen Umgang mit Regenwasser ermöglichen.
Mittlerweile ist das Siegerprojekt bekannt, das auf dem Baufeld der Post Immobilien und der AZ Invest AG zwischen Seminarstrasse und Bahnhofplatz verwirklicht werden soll. Das Team HHF Architekten und Gohl Landschaftsarchitektur aus Basel überzeugte mit fünf aufeinander ­abgestimmten, aber dennoch eigenständigen Gebäuden sowie vertikalen Gärten. Die Projektpartner beabsichtigen, das Vorhaben ab 2027 zu realisieren. Dabei sollen bis zu 130 Wohnungen entstehen.