Windisch – Brustkrebs ist eine weitverbreitete Erkrankung. Die Journalistin Karin Müller erhielt diese Diagnose zufällig im Jahr 2025: Sie war mit ihren drei Hunden spazieren und erlitt bei deren Verladen ins Auto von der Heckklappe eine Prellung an der Brust. «Es tat nach einigen Tagen noch sehr weh, deshalb ging ich zum Arzt und liess mich untersuchen», erzählt Müller. Dieser schlug eine Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung vor. Und die Diagnose Brustkrebs war niederschmetternd: «Ich lebte in der ersten Zeit wie in einer Parallelwelt, denn alle Gedanken drehten sich nur um die Diagnose», sagt die 62-Jährige.
Bei den vielen Brustkrebsarten, die es gibt, sind unterschiedliche Vorgehensweisen nötig. Diese reichen von Operation über Bestrahlung bis zur Chemotherapie. Allen gemein ist eine engmaschige Kontrolle, bei Karin Müller beispielsweise alle zwei Wochen. Bei einer dieser Untersuchungen wurde sie auf Tavola Rosa aufmerksam gemacht. Dieser Treffpunkt wurde von Betroffenen für Betroffene gegründet, die über die Organisation Europa Donna Schweiz verbunden sind. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass Frauen Zugang zu Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs erhalten.
Überfordertes Umfeld
«Grosse Ängste entstehen, auch davor, wie lang beziehungsweise wie kurz man noch lebt. Oder wie man seinen Kindern, dem Partner oder Freunden von der Diagnose erzählen soll», erklärt Müller. All das sind Themen, die an der Tavola Rosa besprochen werden können. Manche Frauen machen die Erfahrung, dass ihr Umfeld mit der Diagnose nicht umgehen kann und sich distanziert. Das hat auch sie selbst erfahren, doch ebenfalls das Gegenteil wie zum Beispiel die Anteilnahme der Nachbarin, die oft selbst gekochtes Essen vorbeibrachte oder ihr eine Tupperware mit Kuchen zum Auto stellte. Andere brachten ihr Blumen oder fragten, ob sie einkaufen gehen sollten. «Das berührte mich sehr, ich schätze solche Gesten, die nicht selbstverständlich sind.»
Ihre drei Hunde halfen ihr bei Zweifeln und Stimmungsschwankungen. «Sie sind meine tierischen Spitex-Assistenten», so die Journalistin mit einem Augenzwinkern.
Karin Müller besuchte einige Treffen in Zürich, da Tavola Rosa Aargau-Solothurn vor allem in der Region Olten aktiv war. Für viele Frauen im Raum Brugg oder Baden liegt das nicht am Weg. So entschloss sich Karin Müller, gemeinsam mit Europa Donna die Tavola Rosa Aargau zu gründen und zu betreuen: «Wie oft bei der Freiwilligenarbeit braucht es Menschen, die sagen ‹Chum, ich mach das›, weil es sonst keiner tut. Deshalb starte ich nun mit der Organisation.»
Erstes Treffen am 6. August
Das erste Tavola-Rosa-Treffen Aargau findet am 6. August um 18.30 Uhr in Aarau statt. Interessierte Frauen treffen sich im Restaurant Tibits, wo man sich beim Essen und Trinken, das jede Besucherin selbst bezahlt, kennenlernt. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail. Flyer der Tavola Rosa Aargau werden zudem in regionalen Spitälern und in Chemopraxen zu finden sein. Karin Müller hofft auf eine rege Mundpropaganda.
Das Treffen wird immer am ersten Donnerstag des Monats in anderen Städten der Region durchgeführt, sodass jede Frau Gelegenheit hat, in ihrer Nähe teilzunehmen. Je nach Interesse und Anregungen werden Unternehmungen wie zum Beispiel ein Spaziergang, ein Picknick oder ein gemeinsamer kultureller Besuch geplant. «Die Energie nimmt bei der Erkrankten rapide ab, deshalb liegt der Fokus nicht auf sehr aktiven Unternehmungen wie zum Beispiel Bowling, sondern eher auf ruhigen Aktivitäten», so Karin Müller. Diese gemeinsame Zeit soll ein Lichtblick in der schwierigen Zeit der Brustkrebserkrankung sein und im Gespräch mit anderen betroffenen Frauen neue Blickwinkel eröffnen und emotional unterstützen.