Nachbarschaft als Fundament des Landes

Mit geselligem Beieinandersein feierten die Ehrendingerinnen und Ehrendinger die Schweiz, aber auch ihre Nachbarschaft.
Die Ehrendingerinnen und Ehrendinger feierten den 1. August in grosser Zahl und stimmungsvoll auf ihrem Lindenplatz. (Bild: bkr)

Ehrendingen – «Das Fundament unseres Landes, das Fundament des Zusammenlebens im Kanton, im Dorf und im Quartier, das ist eine gute Nachbarschaft. Wenn es im Kleinen, zwischen den Nachbarn, nicht funktioniert, dann funktioniert am Ende die ganze Schweiz nicht», sagte Regierungsrat Markus Dieth an der Ehrendinger Bundesfeier. Dass es hier im Höhtal dieses Fundament gibt, dass die Leute das örtliche Zusammenleben schätzen, bewiesen die Ehrendingerinnen und Ehrendinger mit einem Grossaufmarsch auf dem Lindenplatz – vor dem 1912 aus Steinen der ehemaligen Zementfabrik Oberehrendigen erbauten Schulhaus.
Grill und Getränkebuffet wurden von der örtlichen Metzgerei betreut. Und beim DJ, welcher im Anschluss an den offiziellen Teil für musikalische Unterhaltung sorgte, handelte es sich mit Gabriel Frei alias «Grabs» um einen Einheimischen. Was in der Einladung fehlte, war eine Kinderunterhaltung. Das ist nicht nur Claudio Eckmann, «Motor» hinter vielen Ehrendinger Events und Institutionen, aufgefallen. Er meldete sich umgehend bei der Gemeinde mit dem Angebot, die Lücke zu füllen.
Neben der Organisation eines Postenlauf mit Fragen rund um die Gemeinde (als Preis gab es Raketenglaces), bastelten er und seine zwei Helferinnen mit den Kindern Lampions, die mit LED beleuchtet wurden. Frau Gemeindeammann Dorothea Frei, in ihrer wunderschönen Tracht festlich gekleidet, konnte so als weiteren Programmpunkt einen Lampionumzug ankündigen und dankte Claudio Eckmann herzlich für sein enormes Engagement.

Ein Nachbar unter Nachbarn: Regierungsrat Markus Dieth war einst Ammann der Nachbargemeinde Wettingen . (Bild: bkr)

«Sie leben gerne zusammen»
Zurück zu Markus Dieth und seiner Festrede: «Schaue ich in diese fest­liche Runde und auf das, was Sie da gemeinsam auf die Beine gestellt haben – dann wird sofort klar: Sie halten zusammen und leben gerne zusammen.» Man sage im Volksmund, dass man sich im Leben vieles aussuchen kann, aber weder die eigenen Verwandten noch die Nachbarn. «Und wissen Sie was? Das ist eigentlich eine wunderbare Fügung. Es hat etwas ungemein Befreiendes. Ich muss nicht stundenlang im Internet surfen, um etwas Besseres zu finden.»
Aus den Nachbarschaften müsse man das Beste machen. «In unserem Land war man schon immer gezwungen, miteinander zu reden und Kompromisse zu finden». Die Kleinräumigkeit, das raue Leben in den Alpentälern, die Naturgewalten und die exponierte Lage im Herzen Europas haben uns von jeher geprägt. «Aus diesem permanenten Zwang zum Gespräch ist über die Jahrhunderte etwas Einzigartiges entstanden: unsere schweizerische Demokratie.»

Staatskrise in der «Wöschchuchi»
Ein moderneres Beispiel für diesen alltäglichen Verhandlungszwang kenne fast jede und jeder von uns: Die «Wöschchuchi»: Wer den Waschplan nicht einhielt oder die Fusseln nicht entfernte, habe im Haus eine mittelschwere Staatskrise ausgelöst. In der Waschküche sei das diplomatische Fingerspitzengefühl erfunden worden, das uns Schweizerinnen und Schweizern zugeschrieben wird. «Ich bin mir sicher: Viele Staatschefs auf dieser Welt können zwar hervorragend schmutzige Wäsche waschen, aber leider verstehen es viele nicht, die Wäsche am Ende auch wieder sauber zu bekommen – wohl, weil sie noch nie eine gemeinsame ‹Wöschchuchi› geteilt haben».