Mönthal – Simon Schmid ist 56-jährig und Vater einer Tochter und eines Sohns. Er lebt mit seiner Familie in Mönthal. Beruflich ist er als Pflegefachmann bei der psychiatrischen Klinik Königsfelden tätig. Er ist ein grosser Autofan und besitzt mehrere Oldtimer, mit denen er allerdings praktisch nicht zum Fahren kommt. Denn es gibt etwas, was ihn schon sein ganzes Leben lang mehr fasziniert hat: Sport.
Genauer gesagt hat es ihm der Laufsport angetan. Er ist Ultraläufer und Extremsportler. Schon in jungen Jahren war Simon Schmid sportlich unterwegs und boxte unter anderem beim Boxring Baden. Früh kam die Freude an der Kondition, und er lief an mehreren Halbmarathons mit. Als er mit 21 Jahren nach einer Party in Basel durch ein Parkhaus ging, konnte er sich nicht vorstellen, dass sein Leben von da an nicht mehr normal sein würde. Im Parkhaus sah er Plakate für das 24-Stunden-Rennen in Basel, und er dachte sich: «Wow, das ist etwas völlig Verrücktes.» Er suchte sich Rennen, an denen er mitmachen könnte. Seinen ersten Extremlauf absolvierte Simon Schmid schliesslich 2001 in Biel: 100 Kilometer in 10 Stunden und 19 Minuten. Ein Jahr später war er um mehr als eineinhalb Stunden schneller. Er lief auch Marathons, doch das ist nicht seine Distanz, er «mag es lieber länger», wie er sagt.
Wie ein Koffer
Mittlerweile ist Simon Schmid ein erfahrener Ultra- und Extremläufer. Er hat unzählige Ultraläufe, 12-, 24-, 48- oder 72-Stunden-Läufe, im In- und Ausland bestritten und seinen Körper immer besser kennengelernt. Früh hat er gemerkt, dass er besser wurde und es sich beim Ultralauf um einen Sport handelt, in den man hineinwächst. Er vergleicht den Ultralauf mit einem Koffer. Bei jedem Lauf schleppt man einen Koffer mit Erfahrungen mit. Jeder Lauf ist anders. Und dann ist man froh, wenn man auf Erfahrungen zurückgreifen kann, die man bereits gemacht hat. Diese Erfahrungen prägen ihn auch in seinem privaten Leben. Die Disziplin und die mentale Stärke bringen ihn überall weiter.
Das Spannende für Simon Schmid am Ultralaufsport ist, die eigenen Grenzen zu erfahren, zu merken, welche Strategien es gibt, wie man mit diesen umgeht und wie man über sich hinauswächst. «Es ist ein Spiel mit dem Körper», meint der Extremsportler. Während der Läufe «den inneren Schweinehund» mit Strategien zu überwinden, gehört zur Faszination an diesem Sport. Denn sogar wenn man eine Krise hat und eigentlich das Gefühl nicht los wird, dass der Körper nicht mehr kann, kann man sich zusammennehmen, und irgendwann läuft es dann wieder. Das hat ebenfalls mit enormer mentaler Stärke zu tun, die Simon Schmid als wichtiger einschätzt als Training. «Ich sage, der Ultralaufsport ist 60 Prozent mental und 40 Prozent Training.»
Mit Stirnlampe unterwegs
Mit den Erfahrungen im Koffer hat Simon Schmid schon viel erreicht. In Kladno, Tschechien, hält er den Weltrekord im 48-Stunden-Rennen in der Kategorie Road M45 mit 321 Kilometern, und er ist Weltrekordhalter über die Distanz von 372 Kilometern vom Bodensee zum Genfersee in 59,5 Stunden. Zudem ist er fünffacher Schweizer Meister im 12-24-Stunden-Lauf.
Kürzlich hat er den Schluchtensteig im Schwarzwald, das sind sechs Tagesetappen mit einer Länge von insgesamt 119 Kilometern und 3200 Höhenmetern, in 23 Stunden und 18 Minuten an einem Stück absolviert. Der ganze Lauf wurde auf Schwarzwald TV übertragen. Am Vortag hatte er Verpflegung hinter den Felsen versteckt, und während des Laufs trank er Wasser aus dem Fluss, wie er berichtet. Für die Nacht zog er sich dann um und war mit einer Stirn- und Handlampe ausgerüstet, um den Weg zu finden.
In der Nacht müsse man präsent sein und die Trittsicherheit bewahren, sonst komme es zu Abstürzen auf Trailruns. Einen solchen Absturz hatte Simon Schmid 2020, als er eine Oberschenkelfraktur erlitt und die Ärzte die Diagnose stellten, er würde nie mehr Sport machen können. Doch er kämpfte sich zurück, die Motivation und die mentale Gesundheit waren zu stark, um aufzugeben. Und so läuft er auch heute noch, ist diszipliniert, begeistert und hat noch viele Herausforderungen vor sich.
Den nächsten Ultralauf absolviert Simon Schmid am 15. und 16. August in Berlin: den Mauerweglauf, der 160 Kilometer lang ist. Dieser Lauf dient als Vorbereitung für den Spartathlon, für den er sich qualifiziert hat und der von Athen nach Sparta führt.