Vier Hände für ein Kunstwerk

Bis Ende August locken im Dorfmuseum Lengnau zwei Kunstschaffende aus der Region mit ihren einzigartigen Werken.
Umgeben von Kunst. (Bild: sma)

Lengnau – Am 21. August startet im Lengnauer Dorfmuseum eine neue Ausstellung. Dafür stellen die beiden regional verankerten Kunstschaffenden Linda Çitaku (29) und Jörg Villiger (58) erstmals gemeinsam aus. Das Besondere dabei ist aber nicht die Kombination aus Mixed-Media-Kunst und Abstraktem auf den verschiedenen Leinwänden, sondern, dass die beiden zusammen an Werken gearbeitet haben.
Dabei muss man nicht nur ein ähnliches Verständnis für Kunst haben, sondern sich auch gut absprechen, damit es am Ende wie ein einheitliches Bild aussieht. «Oft wurde etwas nochmals überarbeitet, übermalt, neu gedacht oder auch verworfen», erzählt Linda Çitaku. Entstanden ist der Kontakt zwischen den beiden über einen gemeinsamen Kollegen. Es folgte der Austausch über Kunst, welcher letztendlich zu Villigers Atelier in Untersiggenthal führte.
«Manchmal malen wir zusammen, manchmal nimmt sie Sachen mit nach Hause», erklärt Jörg Villiger. Mit Textilien, Hosenknöpfen und Karton werden die Werke durch Çitakus Einfluss dreidimensionaler und stechen auf den ersten Blick etwas mehr hervor. Dabei sind ihr Struktur, Textur und das Zusammenspiel der Materialien besonders wichtig. Entstanden sind so etwa zehn Bilder, die in der Ausstellung durch Einzelwerke der beiden Kunstschaffenden ergänzt werden. Eigentlich wollte man noch mehr gemeinsame Werke erschaffen, aber Kunst ist eben nicht immer planbar.

Eines der Hauptwerke der Ausstellung im Atelier. (Bild: sma)

Auftreten um der Kunst willen
Für Jörg Villiger ist es bereits die vierte Ausstellung in Lengnau und insgesamt die erste seit 2019. Nachdem er früher auch mit Skulpturen arbeitete, hat er sich heute ganz der abstrakten Kunst verschrieben: «Ich habe einfach gemerkt, dass es mir liegt.» Beim Arbeiten entsteht bei ihm vieles spontan: abtasten, ausbessern, Kunst als Prozess. «Ich finde es gut, wenn meine Bilder für sich selbst sprechen – ohne dass ich es gross erklären muss», sagt Villiger. Sein typischer Stil mit klaren Formen war dabei früher vielfarbiger und komplexer. Die Zusammenarbeit mit Mixed-Media-Künstlerin Çitaku ist so oder so ein Schritt in eine neue Richtung.
«Es gab Herausforderungen, zum Beispiel die Frage, wann ein Bild fertig ist oder wie viel Raum jeder von uns im Werk einnimmt», sagt Çitaku. Trotzdem fand man immer wieder Lösungen, damit man die Arbeiten schlussendlich mit einem guten Gefühl abschliessen konnte.

Ein abstraktes Werk von Jörg Villiger. (Bild: zvg)

Ausdruck und Harmonie
Bei Çitakus Solowerken fügen sich Gedanken, Emotionen und Ideen nach und nach zu einem Werk zusammen. «In meiner Kunst ist mir vor allem wichtig, mich ausdrücken zu können. Und mich einmal nicht mit den Normen und Erwartungen der Gesellschaft auseinandersetzen zu müssen», erzählt die Kunstschaffende. Durch die Zusammenarbeit mit Villiger hat sie nicht nur viel über den gemeinsamen Prozess, sondern auch über sich selbst und darüber, was einem in der eigenen Kunst wirklich wichtig ist, gelernt.
Das Dorfmuseum Lengnau hat in der Ausstellungszeit bis zum 30. August jeweils am Abend geöffnet. Und Jörg Villiger möchte, wenn möglich, auch jeden Abend vor Ort sein, um den Austausch über die Werke zu suchen – auch wenn er lieber andere im Rampenlicht stehen lassen möchte. Den Künstler beschäftigt am Ende eben doch noch die Frage: «Wie viel soll man den Leuten erzählen über seine Werke? Und was ist zu viel?»

Kunstausstellung bis 30. August
Dorfmuseum Lengnau
domus-lengnau.ch