Freienwil – Am Samstagabend, unmittelbar zum Ende der fünften Hitzewelle, bei der es aufgrund der hohen Lufttemperaturen mitunter schien, das Gehirn schmelze zusehends dahin, wurde das mittlerweile zur dörflichen Tradition gewordene Freiluftkino auf dem Hofplatz von Franz und Dora Suter durchgeführt. Eingerahmt vom Bauerngarten mit Beeren und Früchten, vom ehemaligen Stall und Tenn, nun Hofladen und Dorfschöpfli-Café, von Blumen und Töpfen und der alten plätschernden Tränke, stehen nun auf dem Platz mit Kies- und Bsetzisteinen einige Reihen mit Tuchliege-, Klapp- und Gartenstühlen sowie Festbankgarnituren, die nach und nach von Gästen besetzt werden. Die Stimmung ist familiär, man kennt sich, sitzt oder steht ungezwungen beieinander, tauscht sich aus und lacht zusammen.
Ein Verein bringt die Bevölkerung zusammen
Ermöglicht wird der stimmige Anlass durch die Gastgeber und den Einwohnerverein Freienwil. Mit viel Herzblut, kreativen Ideen und lokalem Spirit präsentiert das Team um die Präsidentin Melanie Maxton neben dem Film eine köstliche gastronomische Palette: Carmen Suter buk dieses Jahr extra frische Zopf- und Bauernbrotteig-Baguettes für die Hotdogs, auch eine feine Auswahl von selbst gebackenen Kuchen, Eis, Popcorn und Getränken wird feilgeboten. Allmählich dunkelt es ein, die Grillen beginnen zu zirpen, das Licht der Girlanden wird gedimmt, die Menschen nehmen Platz. In aufgeräumter Stimmung zwischen unaufgeregten Leuten den Sternenhimmel und das laue Sommernachtslüftchen geniessen: Hier fühlt sich der Film wie ein cinemaparadiesischer Traum an.
Gemeinsame Erinnerungen
Es läuft die Tragikomödie «Honig im Kopf» von und mit Til Schweiger aus dem Jahr 2014, mit Dieter Hallervorden als an Demenz erkranktem Amandus Rosenbach in der Hauptrolle. Der Film zeigt die rührende Idee von Amandus’ elfjähriger Enkelin Tilda: Sie möchte allein mit ihrem kranken Grossvater nach Venedig fahren, wo dieser vor langer Zeit die Flitterwochen mit seiner eben erst verstorbenen Frau verbrachte. Tilda hofft, dass diese Stadt Grossvaters Erinnerungen nochmals aufblühen lassen möge. Dass ihre Reise nicht einfach würde, liegt auf der Hand. Die beiden erleben eine Odyssee, die nicht nur sie, sondern ebenso Tildas Eltern, die in einer Ehekrise stecken, wieder ein gutes Stück näher bringt, was ja dem Motto des Einwohnervereins, «Gemeinsam erleben», voll und ganz entspricht und das Freiluftkino mit den Anwesenden in spielerischer Manier zu tun vermag.
So freut man sich allenthalben schon auf die nächste Veranstaltung. Im «Weissen Wind» in Freienwil zeigen am 4. September um 20 Uhr die Satiriker Elisabeth Hart und Rhaban Straumann ihr Programm «Wollen Sie wippen?». Wollen wir wetten, dass sich ein Besuch auch dort lohnt?