Das gemeinsame Ziel: Frieden statt Krieg

Ein Highlight des Projekts Disput(N)ation war das Format «Voll auf die 12», bei dem die Teilnehmenden nach Massnahmen für Frieden suchten.
Unternehmerin Nora Wilhelm (l.) und Nobelpreisträgerin Tawakkol Karman. (Bild: ub)

Baden – Regisseurin, Künstlerin und Aktivistin Rebecca Panian hat den demokratischen Lösungsfindungsevent «Voll auf die 12» ins Leben gerufen und schon in mehreren Schweizer Gemeinden und in Deutschland veranstaltet. Die Spielregeln dazu: 12 aus dem Publikum ausgeloste Menschen haben in einer öffentlichen Talkrunde 90 Minuten Zeit, um eine konkrete Lösung für ein Problem zu finden, das die Mehrheit der Anwesenden beschäftigt. Sie müssen dabei zu einem einstimmigen Resultat kommen. Ob es letztlich angenommen und in die Tat umgesetzt wird, entscheiden die Zuschauerinnen und Zuschauer. Wenn das nicht der Fall ist, verpflichten sich die Beteiligten zu mindestens zwei Stunden Freiwilligenarbeit für das Gemeinwohl.
Im Rahmen der Feierlichkeiten zu 500 Jahre Badener Disputation, deren Leitthemen Frieden, Liebe, Hoffnung und Zukunft sind, fand das Format in einem anderen und weitaus grösseren Umfeld als gewöhnlich statt. Passend zu den Jubiläumsfeierlichkeiten war das Thema vorgegeben, mit dem es sich in der Mensa der Schule Burghalde auseinanderzusetzen galt. Es lautete «Frieden statt Krieg – was braucht es für nachhaltigen Frieden?». Und die Runde der Diskussionsteilnehmenden bestimmte für einmal nicht das Los.
«Wir haben dafür auf der ganzen Welt Persönlichkeiten angeschrieben, die sich auf unterschiedlichste Art für den Frieden einsetzen», bekundete Panian. Dass alle bereit gewesen seien, dabei zu sein, habe sie überwältigt.

Hoch gegriffen
Das Panel von «Voll auf die 12 – Special Edition» konnte sich fürwahr sehen lassen. Die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Tawakkol Karman hatte ihren Weg genauso nach Baden gefunden wie der mexikanische Filmstar Gael García Bernal, der mitunter in dem oscarnominierten Drama ­«Babel» neben Brad Pitt und Cate Blanchett zu sehen war, aber auch prominenter Aktivist und Botschafter für verschiedene Entwicklungs- und Hilfsorganisationen ist. Des Weiteren bereicherten die Runde Nora Kronig, Direktorin des Schweizerischen Roten Kreuzes, Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau, Michael Stemmle, Fintech-Experte und Unternehmer, Loukina Tille, Studentin der Polit- und Umweltwissenschaften und Klimaaktivistin, und Sozialunternehmerin Nora Wilhelm, die die Initiative Collaboration Helvetica mitbegründete und von der Unesco als «Young Leader» ausgezeichnet wurde.
Dem Badener Publikum wohlbekannt dürften die Brüder Patrik und Frank Riklin gewesen sein. Die beiden Konzeptkünstler sorgten unlängst mit dem Projekt «Linie Null» – einem ­kostenlosen öffentlichen Bus ohne ­festes Fahrziel – für mediale Aufmerksamkeit bis nach Neuseeland. Dazu wurden drei Gäste aus dem Publikum gelost, welche die Runde vervollständigten.

An der Schule Burghalde in Baden suchten Filmstars, junge Vordenkerinnen und Diplomatinnen nach konkreten Massnahmen für nachhaltigen Frieden. (Bild: ub)

Angriff auf den Krieg
Nun galt es für dieses illustre Dutzend, gemeinsam herauszufinden, welche Massnahmen sie für einen nachhaltigen Frieden sowohl global als auch national und im ganz persönlichen Bereich in Gang setzen könnten. Ein anspruchsvolles Vorhaben. Es hagelte grosse Worte aus allen Richtungen: von der Notwendigkeit sozialer Sicherheit, von Vertrauen, Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde und gegenseitigem Respekt. «Wir müssen uns verbünden und den Diktatoren dieser Welt die Stirn bieten, die zurzeit Hass, Misstrauen, Gewalt und Rassismus verbreiten», redete sich Tawakkol Karman ins Feuer, und ihre Augen blitzten dazu.
Zielführend war das allerdings nicht. Als die Zeit knapp wurde, brachte es Patrik Riklin auf den Punkt. Er forderte statt allzu hochgegriffener, weltumfassender Theorien mehr bodenständige, umsetzbare Vorschläge und meinte: «Schliesslich müssen wir am Ende dieses Talks ­etwas Handfestes vorweisen können.» Sein fantasievoller Vorschlag, einen Reiter zu Pferd mit unterwegs aufgenommenen Vorschlägen für neue Friedensgesetze an den Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg zu schicken, stiess dann zwar ebenfalls nur auf mässigen Beifall aus der Runde. Genauso der Vorstoss von Gael García Bernal, zur Finanzierung von weiteren Friedensaktivitäten die Steuern bei Superreichen um 2 Prozent zu erhöhen. 

Entscheid in letzter Sekunde
Sozusagen auf die letzte Sekunde konnten schliesslich folgende Massnahmen getroffen werden. Wer Frieden ernten will, muss Frieden säen. Für den Nachwuchs und ebenso für Erwachsene soll ein Konzept erarbeitet werden, um in Schulen bei Kindern und Jugendlichen und in anderen Institutionen das Bewusstsein für ein friedliches Miteinander zu stärken. Zum Beispiel mit einem Event wie «Voll auf die 12», den alle Beteiligten als sehr konstruktiv und innovativ empfanden.
Weil die Zeit viel zu kurz war, will sich die Gruppe in rund zwei Wochen nochmals treffen, um weitere, noch nicht ausgereifte Schritte zu konkretisieren.