Nach den Mauern die Bäume

Mehr Wasser, mehr Bäume, mehr Vielfalt: Die Verantwortlichen des Jurapark-Projekts in Mandach ziehen eine Zwischenbilanz – und schauen voraus.
Massnahmen im Jurapark greifen: Rund 40 Weiher sind angelegt worden. (Bild:zVg)

Mandach – Seit 2022 ist das Grossprojekt «Biodiversität und Landschaft Mandach» am Laufen. Die Gemeinde Mandach arbeitet zusammen mit den lokalen Landwirtschaftsbetrieben, Ortsbürgern, privaten Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern und dem Verein Jurapark Aargau als Trägerschaft am ambitionierten Landschaftsprojekt. Nun blickt der Verein zurück, zugleich plant er die nächsten Schritte.

Im Rahmen des Projekts konnten bisher laut Jurapark Aargau über 1,5 Kilometer Hecken gepflanzt, rund 40 Weiher gebaut und mehrere Trockenmauern saniert werden. Damit liegt das Projekt klar auf Kurs, sagt Hanna Zaugg vom für die Umsetzung zuständigen Umweltbüro Apiaster auf Anfrage. «Das Projekt hat sich seit dem Start aber laufend weiterentwickelt. Neben den Hecken, Weihern und Trockenmauern konnten auch zahlreiche weitere Strukturen realisiert werden – darunter Asthaufen, Steinlinsen sowie Feld- und Wildobstbäume», so Zaugg.

Kinder pflanzten Bäume
Während die Förderung des Neuntöters durch artenreiche Hecken zu Beginn des Projekts im Fokus stand, konzentriert es sich seit dem vergangenen Jahr nun auf die Bäume. Unter der Anleitung des Umweltbüros pflanzten einige Kinder der Schule Mandach 2025 mehrere Hochstammbäume. Sie bauten ausserdem grosse Wieselburgen und schlossen so die Lücken in den bestehenden Baumgärten. Diese Massnahme verbessere den Lebensraum der in Mandach heimischen und vom Aussterben bedrohten Fledermausart Graues Langohr, erläutert der Verein in einer aktuellen Mitteilung. «Ihr Schutz steht stellvertretend für die Förderung der zahlreichen Arten, die Mandach bereits heute so vielfältig machen.» Bis Ende 2026 sollen im Rahmen des Projekts insgesamt über 100 neue Hochstamm-Feldobstbäume zu stehen kommen. Ein grosser Teil davon sei bereits gepflanzt worden, sagt Hanna Zaugg.

Im Rahmen des Jurapark-Projekts sind mehrere Trockenmauern saniert worden. (Bild: zVg)

Während die gepflanzten Hecken und Bäume noch Zeit brauchen, bis sie ihre Wirkung entfalten, bieten die Kleinstrukturen wie Asthaufen, Steinlinsen oder offenen Bodenflächen von Beginn weg einen Lebensraum für Tiere. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften untersuche aktuell, wie sich diese neu angelegten Strukturen auf Arten wie das Hermelin auswirken, so der Jurapark Aargau. Wildtierkameras zeigten bereits: Das Hermelin sei sowohl im braunen Sommerkleid als auch in der weissen Wintergestalt immer wieder an den Steinlinsen und Asthaufen zu beobachten. Vogelarten wie der Wendehals und der Neuntöter profitierten bereits von den offenen Bodenflächen, in denen sie erfolgreich auf Insektenjagd gehen.

Die nächsten Etappen umfassen nun weitere Pflanzungen, die Vernetzung bestehender Kleinstrukturen und eine Verstärkung der Lebensräume für Arten wie den Steinkauz, Wiedehopf und Gartenrotschwanz. Insbesondere der Biotopverbund bleibe ein zentrales Element, schreibt der Verein.

Perlenkette aus Wasserstellen
Auch Wasser steht im Zentrum des Projekts. Mit sechs Weihern, die im vergangenen Jahr am Siedlungsrand realisiert wurden, ist rund um Mandach derzeit eine regelrechte Perlenkette aus Wasserstellen entstanden – ein Netzwerk, das die Landschaft ökologisch aufwertet und die Tiere in Hitzeperioden entlastet. Eine 2025 durchgeführte Wirkungskontrolle zeige auf, dass nicht nur Amphibien wie die Gelbbauchunke die neu angelegten Wasserstellen am Siedlungsrand und im Mülital besiedeln. Wildtierkameras dokumentierten auch, wie Mäusebussarde, Neuntöter, der Waldkauz und sogar Dachse die kleinen Oasen zur Abkühlung in den heissen Sommermonaten rege nutzen, so der Verein. «Dies zeigt die Relevanz von vielfältigen und verteilt angelegten Wasserstellen.»

Auch im kommenden Jahr bleibt das Wasser neben den Bäumen ein zentrales Thema. Durch den Einsatz von Keyline-Design in Verbindung mit den neu angelegten Weihern soll die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen wie Starkregen oder langen Hitzeperioden werden. Keylines sind ein bewährtes Konzept, welches das natürliche Gefälle des Geländes nutzt, um Wasser gleichmässig zu verteilen und den Boden optimal zu durchfeuchten. Das Vorhaben wird Modellcharakter für die gesamte Region haben.