Kommt das Referendum?

Die Sportvereine in Würenlos brauchen mehr Platz. Wie viel das kosten darf und wo dieser entstehen soll, darüber herrscht Uneinigkeit im Dorf.
Nach dem Entscheid der Gemeindeversammlung für die Erweiterung der Sportanlage Tägerhard wird um den neuen Kunstrasenplatz gerungen. (Bild: sim)

Würenlos – In Würenlos steht der am 2. Juni von der Gemeindeversammlung gefasste Beschluss für den Bau eines neuen Kunstrasenplatzes auf der Kippe. Gegen den mit 263 zu 70 Stimmen bewilligten Verpflichtungskredit von 3,84 Millionen Franken für den Bau eines Kunstrasenplatzes bei der Sportanlage Tägerhard möchte ein vierköpfiges Komitee das Referendum ergreifen. Das Referendumskomitee um Olivier Ruppen, Patrick Moosbrugger, Pascal Renaud und Consuelo Senn begründet seinen Schritt in einem Schreiben, das an die über 3000 Würenloser Haushalte verteilt wurde, damit, dass es den Ausbau der Sportinfrastruktur grundsätzlich unterstütze, den geplanten Kunstrasenplatz am vorgesehenen Standort jedoch für die falsche Lösung halte.
Nach Ansicht des Komitees profitierten lediglich die Mitglieder des Sportvereins Würenlos und des Rugby-Clubs direkt von der Investition, während sämtliche Steuerzahlenden die Kosten tragen müssten. Der Platz werde eingezäunt und stehe der Öffentlichkeit nicht frei zur Ver­fügung. Zudem seien jährliche Folgekosten von rund 200 000 Franken für Unterhalt und Abschreibungen zu erwarten. Das Komitee kritisiert weiter, dass mögliche Alternativen – insbesondere ein Kunstrasenplatz beim Schulhaus Ländli – im Projekt nicht berücksichtigt worden seien. Ein solcher Standort könnte aus seiner Sicht auch der Schule sowie weiteren Vereinen dienen. Mit dem Referendum wolle man deshalb erreichen, dass sämtliche Stimmberechtigten an der Urne über das Projekt entscheiden könnten und der Weg für eine aus Sicht des Komitees nachhaltigere und finanziell tragbarere Lösung offenbleibe.
Für das Zustandekommen des Referendums sind 445 gültige Unterschriften erforderlich, was 10 Prozent der stimmberechtigten Würenloserinnen und Würenloser entspricht. Das Referendumskomitee hatte angekündigt, die Unterschriftenbögen bis zum 4. Juli bei der Gemeinde einreichen zu wollen. Bis Redaktionsschluss am Dienstag waren allerdings noch keine Unterschriften bei der Gemeindekanzlei abgegeben worden, wie diese auf Anfrage mitteilte. Die Sammelfrist läuft bis zum 13. Juli.

Förderbeiträge nicht gefährden
Der Sportverein Würenlos und der Rugby-Club weisen die Vorwürfe des Referendumskomitees in einer Replik entschieden zurück. Sie sprechen von fehlerhaften Angaben im Flyer und betonen, dass in beiden Vereinen insgesamt 305 Einwohnerinnen und Einwohner aus Würenlos aktiv seien. Berücksichtige man zudem die Familien der zahlreichen Juniorinnen und Junioren, würden deutlich mehr Personen von der neuen Anlage profitieren als nur die aktiven Vereinsmitglieder. Entgegen der Darstellung des Komitees solle der Kunstrasenplatz auch von der Schule und der Bevölkerung genutzt werden können, sofern das mit dem Spielbetrieb und dem Erhalt des Rasens vereinbar sei.
Daneben weisen die Vereine die Kritik am Standort zurück. Eine übergeordnete Sportplatzplanung der Gemeinde habe bereits 2015 den Bedarf für einen zweiten Sportplatz im Täger­hard ausgewiesen. Die Variante beim Schulhaus Ländli sei geprüft worden, habe sich aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen jedoch als nicht realisierbar erwiesen. Ausserdem verweisen die Vereine darauf, dass die Projektkosten auf einem detaillierten Kostenvoranschlag basierten und Förderbeiträge – darunter 400 000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds – bei einer rechtzeitigen Bewilligung gesichert seien. Eine Neuplanung könne diese Beiträge gefährden.
Schliesslich widersprechen die Vereine dem Vorwurf, der positive Entscheid an der Gemeindeversammlung sei allein durch die Mobilisierung von Vereinsmitgliedern zustande gekommen. Neben Mitgliedern der Sportvereine hätten sich zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner ohne direkten Vereinsbezug für das Projekt ausgesprochen. Angesichts der in Würenlos mehrfach erlebten Verzögerungen bei Infrastrukturvorhaben appellieren die Vereine, die Erweiterung der Sportanlagen nun nicht weiter ­hinauszuschieben.